Bruce Springsteen in Frankfurt 2009

[Dieser Konzertbericht entstand während der letzten Tage und wurde erst heute (Dienstag) fertig gestellt; lassen Sie sich also durch gewisse Zeitangaben nicht verwirren...]

[Hier geht's zur DVD vom Frankfurter Springsteen-Konzert 2009]

So, inzwischen (Samstag) bin ich wieder zuhause. Es war ein ebenso anstrengender wie aufwühlender sehr, sehr langer gestriger Freitag. Aber natürlich auch ein extrem schöner und erlebnisreicher. Alles werde ich hier nicht schildern können, aber dennoch soll auf einen kleinen Konzertbericht nicht verzichtet werden. Hier ist er:

Gegen 11.45 Uhr fuhr ich los, um K. in Köln abzuholen. Zeit hatte ich genug, und so erreichte ich unseren Treffpunkt pünktlich um 12 Uhr mittags. Einige Minuten später war auch meine Begleitung da. Was für ein Wiedersehen! Und schon ging’s ab auf die Autobahn Richtung Frankfurt. Wir hatten uns viel zu erzählen. Eine sehr kurzweilige Fahrt!

Kurz vor dem Ziel verfuhr ich mich. Mein ausgedruckter Routenplaner von Google Maps war an dieser Stelle irgendwie zweideutig – oder ich war einfach zu blöde. Anyway, nach einem kleinen Umweg erreichten wir dann doch noch den Parkplatz, wurden von einem Ordner eingewiesen und duften unsere fünf Euro Parkgebühr bezahlen. Das war wohl so gegen 14.15 Uhr.

Nun hatten wir noch genügend Zeit. Einige Meter neben uns hatten Fans große Lautsprecher aufgebaut, aus denen live aufgenommene Springsteen-Songs dröhnten. So kam ich schön langsam auch in Konzertstimmung. K. kaufte sich an einem der Stände eine Bratwurst, ich aß eins der mitgenommenen Brötchen. Wir plauderten, spazierten ein wenig herum, um die Gegend um das Stadion herum zu erkunden. Von einem Ordner erfuhr ich, dass Einlass gegen 17 Uhr sein sollte. Aus der Commerzbank Arena schallten Songs: Soundcheck war offenbar angesagt.

Gegen 16.30 Uhr wurde ich nervös. Ich überredete K. dazu, uns schon in der Schlange am Einlass anzustellen. Vor uns waren bereits eine Menge Leute, und dies war ja auch nicht der einzige Eingang. Ich wollte schließlich auf jeden Fall einen Platz möglichst weit vorne im Innenraum ergattern. Alles andere wäre wirklich sehr enttäuschend für mich gewesen.

Gegen 17.15 Uhr öffneten sich die Tore. Gut, dass der Ordner nur einen oberflächlichen Blick in meinen Rucksack warf. So entdeckte er meinen Fotoapparat nicht. Diesen hatte ich in Alufolie eingewickelt und anschließend zwischen zwei ausgehöhlte Brötchenhälften gelegt, die ich danach wiederum mit Alufolie umwickelt hatte. Eine perfekte Tarnung! Dafür verzichtete ich gerne auf meinen 1,5 Liter Tetra-Pack Eistee, den ich leider abgeben musste – erlaubt waren maximal 0,5 Liter.

K. und ich machten uns schnellen Schrittes in Richtung Innenraum auf. Dazu mussten wir gefühltermaßen das halbe Stadion umrunden. Offenbar war unser Eingang nicht der optimale gewesen. Das kommt davon, wenn man die Location nicht kennt. Als wir dann schlussendlich die Katakomben durchquert hatten und im Stadion standen, war klar: schon viel zu viele Leute ganz vorne! Mist! Zumindest der abgetrennte Bereich direkt vor der Bühne schien schon stark bevölkert zu sein.

Nach dem Motto “Lieber den Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach” sicherte ich uns einen Platz ganz vorne im zweitvorderen Bereich. Doch K. wollte sich damit nicht zufrieden geben. Sie zischte plötzlich ab, rannte rechts vor. Ich ihr hinterher. Dort war anscheinend noch Einlass für die Plätze direkt vor der Bühne. Wir gesellten uns dazu, schoben, wurden geschoben, drückten, wurden gedrückt und gequetscht – und waren plötzlich drin. Dann erhielten wir unsere Armbändchen: Zeichen dafür, dass wir – nach einem etwaigen Verlassen dieser besuchermäßig begrenzten Zone – selbige auch wieder betreten duften.

Schnell war ein guter Platz gefunden: etwa 10 Meter vom Bühnenrand entfernt, ein paar Meter von der Mitte nach rechts versetzt. Wir setzten uns, breiteten uns aus, rauchten ein, zwei Zigaretten, tranken jeder ein kühles Bierchen (“Trink Licher Bier, dann steht er Dir…”). Es war schwül, aber halbwegs erträglich. Trotzdem natürlich recht unbequem und beengt. Aber was tut man nicht alles…?! Dabei entstanden u.a. diese Bilder (zum Vergrößern bitte auf die Fotos klicken!):

Konzert Bruce Springsteen 3. Juli 2009 Commerzbank Arena Frankfurt

Konzert Bruce Springsteen 3. Juli 2009 Commerzbank Arena Frankfurt

Wenig später beschloss K., einem menschlichen Bedürfnis nachzugeben und dies damit zu verbinden, noch etwas zu essen und zu trinken. Mir schwante Übles. Ich dachte nur:

Oh weh, wenn sie jetzt noch mal rausgeht, wird sie mich später in diesem Chaos hier bestimmt nicht mehr finden. Na, dann erlebe ich das Konzert eben alleine. Schade!

Doch weit gefehlt. Nach gefühlten zehn Stunden tippte sie mir breit grinsend von hinten auf die Schulter. Der Abend war gerettet. Während ihrer Abwesenheit hatten ein etwa gleichaltrigen Pärchen und ich Konzerterfahrungen ausgetauscht.

Was die Publikumsstruktur betrifft, so hatte ich folgenden Eindruck: von ganz jung bis Rentner. Grundschüler und auch Leute, die offenbar mindestens 65 Jahre auf dem Buckel hatten. Generationenübergreifend. So muss es sein.

Laut Ticketaufdruck sollte das Konzert um 19.30 Uhr beginnen. Eine Vorband hat Springsteen grundsätzlich nicht; das wusste ich. Also war klar, dass sich der tatsächliche Beginn verzögern wurde. Denn: Dunkelheit ist wichtig! Für die richtige Stimmung. Wer will schon so einen Gig bei Tageslicht erleben?! Ich nicht.

Gegen 20 Uhr tat sich etwas: die Beleuchter kletterten über Strickleitern nach oben unter die Bühnendecke zu ihren Plätzen. Ich mochte mir gar nicht vorstellen, wie unerträglich heiß es erst dort oben sein musste.

Hier die Bilder:

Konzert Bruce Springsteen 3. Juli 2009 Commerzbank Arena Frankfurt

Konzert Bruce Springsteen 3. Juli 2009 Commerzbank Arena Frankfurt

Kurz darauf: letzte Vorbereitungen auf der Bühne. Roadys klebten die Setlists an verschiedene Stellen, Instrumente wurden noch mal von der Bühne geholt – und Minuten später wieder dorthin zurück gebracht. Das Publikum schrie immer wieder “Bruuuuuce! Bruuuuuce! Bruuuuuuce!” und/oder klatschte rhythmisch. Die vorkonzertliche Stimmung näherte sich ihrem Höhepunkt.

Plötzlich, um 20.25 Uhr, schlenderte Nils Lofgren auf die Bühne, einfach so. Dabei spielte er auf einem Akkordeon “Muss i denn (zum Städtele hinaus…“. Die Leute johlten amüsiert.

Als der Song zuende war, sprintete ein Teil der restlichen Band auf die Bretter, die die Welt bedeuten, also z.B. Max Weinberg (Drums), Garry W. Tallent (Bass) und Roy Bittan (Piano, Hammond Orgel). Am Schluss kam er, den seine Fans zärtlich The Boss nennen: Springsteen himself! Und dieser begleitete den gesundheitlich sichtbar angeschlagenen Clarence ClemonsThe Big Man – zu seinem Thron auf die Bühne.

Und los ging’s: One, two, three, four…

DIE SETLIST

1. Badlands

2. Adam Raised a Cain

3. The Ties That Bind

4. My Lucky Day

5. Outlaw Pete

6. Hungry Heart

7. Working on a Dream

8. Seeds

9. Johnny 99

10. Factory

11. Something in the Night

12. I’m Goin’ Down

13. Ramrod

14. Trapped

15. Because the Night

16. Waitin’ on a Sunny Day

17. The Promised Land

18. Point Blank

19. Kingdom of Days

20. Lonesome Day

21. The Rising

22. Born to Run

ZUGABEN

 

23. Hard Times

24. Jungleland

25. American Land

26. Bobby Jean

27. Dancing in the Dark

28. Twist and Shout

Hier nun einige selbst geschossene Konzertbilder (zum Vergrößern bitte auf die Bilder klicken!):

Konzert Bruce Springsteen 3. Juli 2009 Commerzbank Arena Frankfurt

Konzert Bruce Springsteen 3. Juli 2009 Commerzbank Arena Frankfurt

Konzert Bruce Springsteen 3. Juli 2009 Commerzbank Arena Frankfurt

Konzert Bruce Springsteen 3. Juli 2009 Commerzbank Arena Frankfurt

Mehr Konzertbilder gibt es hier im extra dafür angelegten Album.

Badlands war natürlich der optimale Kracher für den Einstieg. Die Stimmung war von Null auf Hundert da. Bruce hatte das Publikum dadurch sofort im Griff. Alle tanzten, sprangen, gröhlten, sangen. Mit Adam Raised A Cain und The Ties That Bind folgten anschließend zwei ältere Songs, die nicht minder Stimmung verbreiteten. Es knisterte.

My Lucky Day und Outlaw Pete, zwei Songs des aktuellen Albums, klangen live on stage um Klassen besser als auf dem Album. Ich war erleichtert. Bei Outlaw Pete wechselten verschiedene bewegte Bilder bzw. Filmchen auf der Videowand hinter der Bühne. Dann ein Klassiker: Hungry Heart! Darauf hatte ich gewartet. Natürlich hielt Bruce auch dieses Mal zu Beginn das Mikro in Richtung der Fans – und wir alle sangen die erste Strophe alleine. Dann erst setzte The Boss mit der zweiten Strophe ein. Yeah!

Working On A Dream klang auch ohne Gospelchor genial. Meine Uhr sagte exkakt 21.00 Uhr. Höchste Zeit, wie vorher abgesprochen, Herzblatt anzurufen. Natürlich konnte ich sie nicht hören. Aber als ich sah, dass die Verbindung hergestellt war, hielt ich das Handy bis zum Ende des Songs einige Minuten lang hoch Richtung Lautsprecher. So bekam sie wenigstens durch die Leitung einen kleinen Eindruck vom Konzert. Tja, working on a dreamdas private Motto des Abends für mich.

Seeds und auch eine fetzige Version von Johnny 99 rockten. Bei Factory wurde es etwas ruhiger und nachdenklicher. Ich mag diese Songs, bei denen Springsteens Stimme im Vordergrund steht. Ich kann mich nicht erinnern, dieses Lied auf einem Konzert schon einmal live gehört zu haben. Insofern ein absolutes Highlight!


Das sich direkt anschließende Something In The Night war pure Emotion. Gänsehaut.


Nun folgt, was kommen muss: während eines akustischen Raise Your Hand, das die E-Street Band begleitend und unaufdringlich im Hintergrund spielt, sammelt Bruce Songwünsche ein, die die Fans auf große Pappkartons geschrieben haben. Das dauert einige Minuten. Mit einem großen Stapel Schilder kommt er zurück auf die Bühne, sortiert und wählt aus – schließlich ist er der Boss.

Unter dem Jubel der Fans wählt er zuerst I’m Goin’ Down aus – den alten Kracher aus den Born-In-The-USA-Zeiten. Das geht so richtig ab.


Anschließend die nächste Auswahl: Ramrod! Power pur! Alle sind aus dem Häuschen… Und zuletzt entscheidet sich Bruce für Trapped! Ein weiterer stimmungsmäßiger Höhepunkt, obwohl es eher ein trauriger Song ist.


Es folgt Because The Night, wohl einer seiner bekanntesten Songs, der sehr oft von anderen Künstlern gecovert wurde. Geschrieben hatte er ihn ursprünglich für Patti Smith. Das sich direkt daran anschließende Waiting On A Sunny Day, eine Art Gute-Laune-Lied, das Bruce oft spielt, wenn es beim Konzert regnet, zauberte mir ein breites Grinsen ins Gesicht. Unter anderem auch wegen folgender Szene: Bruce ging zum Bühnenrand, hielt zwei kleinen Jungs (die waren wohl kaum älter als acht oder neun Jahre…) das Mikro vor den Mund – und sie sangen zweimal den Refrain. Wirklich goldig und herzig! Davon werden sie wohl noch ihren Urenkeln erzählen. Die Menge tobte.

Eigentlich hätte es nicht noch besser kommen können. Aber es kam noch besser: The Promised Land! Einer der ersten Songs, die ich von ihm vor vielen Jahren gehört hatte. Wie ich diese Mundharmonika liebe! Point Blank, Kingdom Of Days, Lonesome Day und The Rising standen dem in nichts nach, obwohl ich die drei letztgenannten nicht sonderlich mag. Aber live beim Konzert ist halt anders als auf Platte. Das weiß jeder Konzertgänger.


Direkt danach dröhnte mein persönliches absolutes Highlight aus den Boxen, nämlich Born To Run. Wow! Mit was für einer Power das rüberkam. Unfassbar. Es ging voll ab! Und der Big Man gab am Sax wieder mal sein Bestes! Natürlich gröhlte ich aus vollem Halse mit. Von mir aus könnte er diesen Song gern auch zehnmal hintereinander spielen. Mir würde es nicht langweilig.

Nun brauchte The Boss eine kleine Pause auf der Bühne. Es folgte nämlich ein eher ruhiges, gospelähnliches Hard Times, von allen sehr inbrünstig gesungen. Da war ebenso Gänsehaut angesagt wie beim nächsten Song: Jungleland! Vor über 30 Jahren hat er das geschrieben. Aber das Lied hat seitdem nichts von seinem Charme verloren. Im Gegenteil! Soweit ich mich errinnere, war Jungleland noch ein Songwunsch der Fans – stand auf einem der eingesammelten Schilder.

American Land kannte ich textmäßig leider kaum, aber das war nicht schlimm, denn zum Abschluss machte Springsteen uns alle noch mal richtig körperlich fertig! Zuerst zwei Songs aus seinem bekanntesten Album Born In The USA, nämlich: Bobby Jean und Dancing In The Dark. Ersteres ist eins meiner erklärten Lieblingslieder! Bei beiden quetschte ich die letzten krächzenden Töne aus meinem schon arg in Mitleidenschaft gezogenen Hals. Die Stimmbänder wollten schon nicht mehr.

Alle dachten, das sei es jetzt gewesen. Aber nix da. Springsteen wies einen der Kameramänner auf der Bühne an, sein Gerät auf eine gewisse Stelle im Publikum zu richten. Sekunden später erschien auf der Videowand ein großes Request-Plaket: Twist And Shout! Yeah. Und los gings’s noch mal!

One, two, three, four: lalalala la Bamba, twist and shout…

Bis zum Umfallen…

Sichtlich erschöpft von dem dreistündigen Marathon, aber trotzdem in absolut guter Laune verabschiedeten sich anschließend der Boss himself und seine Band.

Wow! Was für ein Abend! Drei Stunden Konzert ohne die kleinste Pause – der Mann wird im September 60 Jahre alt! 28 Songs insgesamt. Über 40.000 Fans im Stadion. Und K. und ich mittendrin. Mann, waren wir anschließend platt. Mir tat alles – wirklich alles! – weh. Ich spürte meine Füße nicht mehr. Und trotzdem schafften wir es irgendwie zurück bis zum Auto. Nicht allerdings, ohne uns vorher leicht verlaufen zu haben. Aber das war dann auch schon egal. Lach!

K. war auch völlig begeistert (“Ist das ein netter Mensch!“) und schwärmte insbesondere immer wieder von dem Spirit, den Springsteen ausgeströmt und der sich auf sie übertragen hatte. Tja, so ging’s mir damals auch, damals in den 80ern bei meinem ersten Konzert im Münchner Olympiastadion. Man muss diesen Mann einfach mal live on stage erlebt haben. Das Leben verändert sich anschließend.

Auf dem Parkplatz machten wir noch kurz Rast. Ich war zu kaputt und auch noch zu aufgewühlt, um mich gleich ans Steuer setzen zu können. Doch das war ein Fehler: als wir später abfuhren, standen wir fast eine Stunde lang im Stau, bis wir auf der Autobahn waren. Eigentlich hätte ich das wissen müssen. Die chaotischen Verkehrszustände nach einem Konzert sind mir ja wohlbekannt. Aber sei’s drum: Gegen 03.00 Uhr lieferte ich K. wieder in Köln ab, 100 Minuten später war auch ich zuhause. Völlig erschöpft, aber unbeschreiblich zufrieden und glücklich.

Schon jetzt ist mir klar: Ein Konzert der nächsten Tour ist Pflicht! Dann aber mit Herzblatt, gelle?!

HINWEIS:
Ich verkaufe ein paar alte DVDs von Springsteen-Konzerten. Wer Interesse hat, der melde sich bitte bei mir. Kurze Nachricht an info@rainer-hornberger.de genügt dazu.

2 Kommentare zu “Bruce Springsteen in Frankfurt 2009”

Kommentar(e) unten lesen oder selbst kommentieren...

  1. Padaphant schreibt:

    Hi, sehr ausführlichen Bericht hast du da geschrieben! Ja, das Konzert war wirklich klasse. Es war mein erstes und ich hatte gleich so ein Glück, Jungleland, Something in the night, Point Blank und so viele andere einzigartige Lieder hören zu können. :)

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