Jetzt muss ich mich einmal outen: ich sehe mir DSDS an. Und zwar regelmäßig. Dies ist nun schon die vierte Staffel, die ich am Bildschirm verfolge. Verpasst habe ich bisher kaum eine Sendung. Etwas peinlich ist mir das schon, aber erstens stehe ich zu meinen Schwächen und zweitens gibt es offenbar mehrere Millionen ähnlich schwacher Menschen. Und von daher: So what?!
Am vergangenen Samstag wurde das letzte Casting ausgestrahlt. Noch sehe ich niemanden, der wirklich zum Superstar taugt. Gut, es waren ein paar gutaussehende Mädels und Jungs dabei, die auch noch halbwegs singen konnten, aber so richtig umgehauen oder nachhaltig beeindruckt hat mich keine(r). Insbesondere habe ich niemanden entdeckt, von dem ich sagen könnte: “Ja, das ist ein ‘Typ‘…”. Charisma?! Weitesgehend Fehlanzeige.
Seien wir doch mal ehrlich: darauf kommt es den Zuschauern doch gar nicht wirklich an. Wen interessiert schon der künftige Superstar?! Kaum jemanden, vermute ich jetzt einfach mal so. Die meisten Leute sitzen doch nur vor der Glotze, um Dieter Bohlens Sprüche zu hören und um zu sehen, wie sich das Gros der Casting-Kandidaten wieder einmal bis auf die Knochen blamiert und vorgeführt wird – ich gehöre übrigens auch zu diesen “meisten Leuten”.
Dies bringt mich zu der Frage: Warum tun sich diese potentiellen Möchtegern-Superstars so ein Casting nur an?! In unserer mediengeilen Zeit habe ich dafür nur eine einzige vernünftige Erklärung: Sie wollen ins Fernsehen, einen (zweifelhaften) Ruhm durch fünf Minuten TV-Präsenz erlangen. Koste es, was es wolle. Dafür macht man sich selbst auch gerne schon mal zum Affen der Nation. Hauptsache, es schmeichelt dem Ego. Gottogottogott…
Natürlich gibt es auch noch unvernünftige Erklärungen für dieses Phänomen. Es könnte z.B. auch eine gute Portion Masochismus mit im Spiel sein. Oder aber die Superstars in spe glauben vor dem Casting tatsächlich, sie seien die Größten: die größten Sänger, die größten Entertainer, die größten Models… Und dabei sind die meisten von ihnen einfach nur die größten Deppen. Wie selbstwahrnehmungsgestört muss man sein, um das nicht zu raffen?!
Beispielhaft für die gestörte Selbstwahrnehmung vieler Casting-Frösche seien hier nur die Wiederläufer Menderes Bagci, Dominik Münch und Cosimo, der selbst ernannte Checker vom Neckar. Einfach nur peinlich. Und gleichzeitig in manchen Kreisen auch schon wieder Kult.
Besonders genervt am Casting hat mich die Jurorin Nina Eichinger, ihres Zeichens Tochter des Filmproduzenten Bernd Eichinger. Diese junge Frau wirkte einfach nur blass. Sie schien so gut wie keine eigene Meinung zu haben. Ich habe es genau beobachtet: Jedes Mal wenn Volker Neumüller – das dritte Juri-Mitglied – und Dieter Bohlen über das Weiterkommen eines Kandidaten unterschiedlicher Auffassung waren, schloss sich Frau Eichinger der Meinung des Herr Bohlen an. So etwas Schleimiges hat die Welt selten gesehen.
Und dennoch: Alles in allem war das Casting doch sehr unterhaltsam. Ich bin gespannt auf den Recall. Am morgigen Mittwoch geht er los. Mir mit. Vor der Glotze.

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